Wasserburg

Die Burg

Die Klüsserather Burg ist ein historisches Bauwerk, das die wechselvolle Geschichte des Moseltals und seiner Bewohner widerspiegelt. Ihre Ursprünge reichen weit zurück, und sie hat im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen und Besitzerwechsel erlebt. Die Burg, die einst als „Thurm zu Clussart“ bekannt war, wurde erstmals 1338 urkundlich erwähnt. Ursprünglich handelte es sich um eine Wasserburg, die durch einen breiten Wassergraben geschützt war, der von der Mosel gespeist wurde. Dieser Wassergraben war ein typisches Merkmal mittelalterlicher Burgen und diente der Verteidigung gegen Angreifer. 

Die genaue Entstehungszeit der Burg ist nicht eindeutig überliefert, doch Heimatforscher vermuten, dass ihre Ursprünge bis in die Zeit der fränkischen Landnahme im 5. Jahrhundert zurückreichen. Damals drangen die Franken in das Trierer Land vor und errichteten Herrenhöfe auf erhöhten Stellen, die strategisch günstig lagen. Es wird angenommen, dass die Klüsserather Burg aus einem solchen fränkischen Herrenhof hervorgegangen ist. Die Abtei Gorze erwarb den Herrenhof im Jahr 745 vom Metzer Bischof und verkaufte sie später an den Ritter Hermann von Veldenz. Dieser veräußerte die Burg 1270 an Dietrich, den Herrn von Bruch, der sie als Lehen vom Erzbistum Trier erhielt.

Die Burg war nicht nur ein Wohnsitz für adlige Familien, sondern auch ein Verteidigungszentrum für die Dorfbewohner. In Zeiten der Not bot sie Schutz und Sicherheit vor feindlichen Übergriffen. Die massive Bauweise der Burg, mit ihrem rechteckigen Bruchsteinbau und dem hohen Wohnturm, zeugt von ihrer ursprünglichen Funktion als Wehrbau. Der Wohnturm war das Herzstück der Anlage und überragte die umliegenden Gebäude deutlich. Er war aus einheimischem Schiefergestein errichtet und bot Platz für die Besatzung, die Schutzsuchenden sowie die Burgherren und ihre Familien.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Burg zahlreiche Besitzerwechsel. Nach dem Verkauf durch Hermann von Veldenz an Dietrich von Bruch wurde die Burg von verschiedenen adligen Familien bewohnt, darunter die Herren von Bruch, die Burggrafen von Rheineck und die Familie von Hagen. Die Herren von Bruch kontrollierten die Burg bis ins 14. Jahrhundert und nutzten sie als Lehen des Erzbistums Trier. Später ging die Burg als Lehn an den Burggrafen von Rheineck über, die ebenfalls enge Verbindungen zum Erzbistum hatten. Im Jahr 1545 wurde die Burg an Richard von Hagen verliehen, der als kurtrierischer Kämmerling eine bedeutende Rolle in der Verwaltung des Erzstifts spielte. Nach seinem Tod ging die Burg durch Erbschaft und Verkauf in den Besitz anderer adliger Familien über.

Ein bedeutender Einschnitt in die Geschichte der Burg war die Säkularisation im Jahr 1803, als die französische Regierung die Burg und alle dazugehörigen Güter als Nationaleigentum deklarierte und versteigerte. Der letzte Bürgermeister von Klüsserath, Strauhs, erwarb die Burg zunächst, konnte jedoch die Kaufsumme nicht aufbringen. Schließlich wurde die Burg 1804 von der Familie Gebert gekauft, die bedeutende bauliche Veränderungen vornahm. Die schmalen Fenster wurden durch größere ersetzt, und die Wallgräben, die einst die Burg umgaben, wurden aufgefüllt. Außerdem wurde Anfang 20. Jahrhundert die Dachkonstruktion erneuert. Die Familie Gebert blieb bis ins 20. Jahrhundert Eigentümer der Burg, bevor sie den Besitz Stück für Stück an die Bürger von Klüsserath verkaufte.

1950 kaufte die Familie Krisam, heute Regnery, die Burg von Rittmeister Baron von Blankenfeld ab. Seit 2017 ist die Burg ganz privat bewohnt. Nur der Gewölbekeller und die anliegende Straußwirtschaft sind öffentlich zugänglich. Das Weingut Zur Burg (Fam. Regnery) nutzt den Gewölbekeller noch zur Barriquelagerung und hat 2025 die alten Stallungen gekauft die derzeit saniert werden.

Quelle: Link, Oskar (1993): Chronik des Winzerortes Klüsserath. Trier: Michael Weyan Verlag.